Der kategorische Imperativ in der Sozialen Arbeit

Vor über 200 Jahren publizierte der Philosoph, Professor und Gelehrte Immanuel Kant die Kritik der praktischen Vernunft und postuliert darin die Willensfreiheit des Menschen und den berühmten kategorischen Imperativ. Inwiefern ist dieses theoretische Konzept für die praktische soziale Arbeit relevant?

Der kategorische Imperativ wurde als praktische Ableitung der Prinzipien der reinen Vernunft etabliert und besagt im Wesentlichen, dass moralisch gutes Handeln jenes ist, dass vom handelnden Subjekt auch als allgemeines Gesetz etabliert werden könnte. Als praktisches Beispiel wäre die Unterstützung eines hilfsbedürftigen Menschen bei der Beantragung der bedarfsorientierten Mindestsicherung in Wien ohne der der oder die Betroffene nicht überleben könnte. Die gesetzte Handlung des Sozialarbeiters, jene Person hierbei zu unterstützen, könnte durchaus auch als allgemeines Gesetz formuliert werden dahingehend, als Menschen, die in einem existenzbedrohenden Bereich Unterstützungsbedarf haben, Anspruch auf eine entsprechende Unterstützung haben um diese Bedrohung abzuwenden.

Die Soziale Arbeit basiert auf einer ausdifferenzierten ethischen Grundlage, die auch auf den Konventionen der Menschenrechte basieren und weitere Bestimmungen enthält, die unzweifelhaft wichtig sind. Dennoch gibt es viele Bereiche, die einer spontanen subjektiven Einschätzung bedürfen, die einer persönlichen ethischen Einstellung unterliegt. Für diese Bereiche wäre eine fundierte Grundlage durchaus sinnvoll und hier eignet sich Kants Ansatz, der keine objektive Ethik postulierte, sondern einen individuellen Ansatz, der jedoch auch die Gemeinschaft inkl. deren Werte und Normen berücksichtigt und in einem klaren und prägnanten Satz den oder die SozialarbeiterIn bei ihrer praktischen Tätigkeit stets begleiten kann.

„Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ (Kant, 1974, Seite 140)

Quelle: Kant, I. & Weischedel, W. (Hrsg.) (1974): Kritik der praktischen Vernunft. Grundlegend zur Metaphysik der Sitten. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

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