Was ist eigentlich „Soziale Arbeit“?

Die meisten Menschen haben bei der Frage „Was ist ein Sozialarbeiter?“ relativ zumindest eine Vorstellung von einem Sozialarbeiter. Zumeist ist das Bild eines Sozialarbeiters in der Öffentlichkeit tendenziell mit negativen Attributen besetzt. Mechthild Seithe begründete dies im Jahr 2010 mit der Tatsache, dass sich die Profession der sozialen Arbeit, wie bei den meisten Berufsgruppen, über ihr Klientel definiert, welches vorwiegend aus sozialen Randgruppen und jenen Menschen besteht, die Schwierigkeiten oder Probleme in der Bewältigung des täglichen Lebens haben – also Menschen, denen bereits negative Attribute zugeschrieben werden. Darüber hinaus sei es doch nicht so schwer mit einer alten Dame Kaffee zu trinken oder mit einem Jugendlichen Tischtennis zu spielen. Überhaupt habe der Sozialarbeiter kaum Fachkompetenzen und kein spezifisches Fachwissen. Er ist der professionelle Billa-Einkäufer, der mit dem bloßen Hausverstand Geld verdient. Die Standesvertretung der Sozialarbeiter hat es in den letzten Jahrzehnten verabsäumt dieses „schiefe Bild“ zurechtzurücken und ihre Professionalität und Kompetenz selbstbewusst zu zeigen (Seithe, 2010 und Kraul, 2010).

Der internationale Dachverband – IFSW (International Federation of Social Workers) – hat längst definiert was „Soziale Arbeit“ ist. Diese wird als Beruf beschrieben, dessen Ausübende die Lösung zwischenmenschlicher Beziehungen fördern, ermöglicht, dass Menschen in freier Entscheidung ihr Leben besser gestalten und überall dort eingreift, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten – gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über das menschliche Verhalten und soziale Systeme. Grundlagen seien überdies die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit. Dieser Anspruch ist sehr hoch gegriffen und wird durch Kommentare und Ergänzungen weiter ausgeführt. Insbesondere der Punkt Theorie ergänzt diese Definition dahingehend, dass der Sozialarbeiter aufgrund wissenschaftlicher Kenntnisse über die menschliche Entwicklung, Verhalten und Soziologie schwierige Situationen zu analysieren vermag um jeweilige Veränderungen zu erleichtern (IFSW, 2015).

Diesem Anspruch folgend werden hier regelmäßige Querverbindungen zu anderen Wissenschaften erstellt, deren Nutzen es sein soll, Erkenntnisse aus verschiedenen sogenannten Mikrorealitäten* zu extrahieren und in das komplexe Feld der sozialen Arbeit zu integrieren. Beispielsweise durch die Integration der Theorie der Virtuellen Anderen von Stein Bråten, dem Lebensstil Alfred Adlers oder der Bindungstheorie John Bowlbys in die Soziale Arbeit. Darüber hinaus gibt es unzählige Fachbereiche (z.B. alte Menschen), welche aus einem multiperspektivischen Ansatz bearbeitet werden und auch in der Sozialen Arbeit ihren entsprechenden Platz finden sollten – unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den anderen wissenschaftlichen Disziplinen, wie der Medizin, der Soziologie, der Philosophie, der Psychologie, der psychotherapeutischen Schulen und Theorien, sowie etwaigen Randbereichen wie der Anthropologie, der historischen Betrachtung oder der Philologie.

In kleinen Schritten…

Quellen:
IFSW (27. September 2015). Neue Definition von Sozialarbeit. Abgerufen von: www.sozialarbeit.at/files/definition-international_1.pdf
Kraul, J. (2010). Soziale Arbeit: Vom Außenseiter zum Fernsehstar? Master-Thesis an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Seithe, M. (2010). Schwarzbuch Soziale Arbeit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (Springer)

* Mikrorealitäten wird hier im Sinne Kurt Greiners oder Fritz Wallners gebraucht, also in dem konstruktiven Realismus folgend.

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