Mahlzeiten in Gesundheitseinrichtungen – á lá Carte

In vielen österreichischen Pflegeheimen ist der Alltag relativ strikt. Die BewohnerInnen werden zu bestimmten Zeiten geweckt, gewaschen und erhalten auch ihre Mahlzeiten zu fixen Tageszeiten. Eine Auswahl aus maximal drei Menüs – die sich in regelmäßigen Abständen wiederholen – sind der gängige Standard, gegessen wird zumeist im Speisesaal oder im Zimmer. Veränderungen wären für das Personal untragbar, zu teuer und nicht zielführend. Und doch zeigt uns die Niederlande, dass es auch anders geht.

In den Niederlanden steht das Gesundheitssystem unter einem starken Druck. Einsparungen und Innovationen sind Vielerorts gefragt und werden nach und nach umgesetzt. In Rotterdam beispielsweise wurde 2011 ein Pionierkonzept eröffnet – das Krankenhaus Maasstad Ziekenhuis, das unter Anderem gänzlich auf Papier verzichtet, aber auch bei der Verpflegung auf externe Firmen zurückgreift und ein Service bietet, das an einen Bordservice eines Fliegers erinnert und auch ähnlich aufgebaut ist. Per Touchscreen können die PatientInnen bis 14:00 die gewünschte Abendmahlzeit wählen und auch ein Lieferzeitfenster auswählen, zu dem die gewünschte Mahlzeit ans Bett gebracht wird.

Weitaus interessanter ist jedoch das niederländische Krankenhaus Gelderse Vallei in der Stadt Ede. Der Hintergrund ist eine Kosteneinsparung durch drastische Reduktion von Essensabfällen und das Prinzip relativ Simpel. In einer engen Kooperation mit der Firma Sodexo bietet das Krankenhaus eine 4-Sterne-Versorgung an, in dem die Mahlzeiten von den PatientInnen telefonisch bestellt werden können. Im Keller werden die Wünsche angenommen und notiert, die Speisen werden unverzüglich – oder je nach Terminwunsch – zubereitet und von einem Servicemitarbeiter direkt an das Bett gebracht. Der primäre Nutzen dieses Systems ist die deutlich höhere Kundenzufriedenheit, jedoch auch aus ökonomischer Sicht besticht das System durch die geringen Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln. Joost Snels von der Universität Wageningen schätzt das jährliche Einsparungspotenzial auf 150.000€ pro Krankenhaus.

Diese Konzepte werden bisher nur in wenigen Krankenhäusern angewandt, dennoch stellt sich unweigerlich die Frage nach der Umsetzbarkeit auch hierzulande. Vor allem in Pflegeheimen dürfte dieses Konzept durchaus sinnvoll sein. Zum Einen wird der Tagesablauf gelockert und die BewohnerInnen erhalten wieder mehr Selbstbestimmungsrecht, zum Zweiten wird das Pflegepersonal entlastet, da die Essensausgabe nunmehr von externen Dienstleistern durchgeführt wird, zum Dritten wird die Mangelernährung durch mehr Vielfalt und einer besseren Qualität der angebotenen Speisen bekämpft und zum Vierten werden weniger Nahrungsreste entsorgt, denn je besser das Essen schmeckt und je mehr man die Zeit an den Hunger anpassen kann, desto mehr wird gegessen.

Quellen: ISECO BeNeLux, VISUS, Sodexo Catering, Benjamin Dürr: Zimmer-Service. In: brand eins, 17. Jahrgang, Heft 09, Seite 12

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