Die Problemfelder der 24-Stunden-Betreuung

Dieser Beitrag knüpft im Wesentlichen an den Artikel von Care Trend an, die die berechtigte Frage stellen ob jede Person eine 24-Stunden-Betreuung übernehmen könne. Rechtlich wäre dies aufgrund der voraussetzungslosen Anmeldung zum Personenbetreuer möglich, der nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich diverse Pflichten zu erledigen hat, wie die Zubereitung von Mahlzeiten, die Haushaltsführung, die Anwesenheitspflicht beispielsweise bei Arztbesuchen und dergleichen mehr.

Im sehr umfangreichen Skriptum der Pflege daheim vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz bezüglich der Personenbetreuung zu Hause werden darüber hinaus eine Reihe von pflegerischen Tätigkeiten genannt, die ohne fachlicher Aufsicht durchgeführt werden können, aber von der Personenbetreuung auch abgelehnt werden könnten. Im letzteren Fall ist natürlich zu vermuten, dass die Personenbetreuerin, meistens aus einem osteuropäischen Staat kommend, gegen eine andere Personenbetreuerin ausgetauscht wird, die diese Tätigkeiten ohne Ablehnung durchführt.

Doch ungeachtet der vielen pflegerischen Problematiken, die von Care Trend bereits deutlich aufgezeigt wurden, gibt es noch eine Komponente der sozialen Arbeit, die ebenfalls zu erheblichen Problemen führen kann. Diese beginnen bei der mangelnden Informationsweitergabe der Organisation, die die Personenbetreuer vermitteln, und enden bei der Unkenntnis der regionalen Versorgungsmöglichkeiten im Bedarfsfall. Eine persönliche Anekdote hierzu aus der letzten Woche:

Ein älterer Herr wurde in sehr schlechtem Allgemeinzustand aus dem Krankenhaus in die eigene Wohnung entlassen. Eine rumänische Vermittlungsagentur für Personenbetreuer hat eine junge Dame als 24-Stunden-Betreuung umgehend nach Wien gesandt, die jedoch keinerlei Daten über den Herren erhielt, keine Informationen woher sie denn Geld zum Einkaufen oder sonstige Bedarfsgegenstände erhalten könne, keine Ahnung über das Konzept eines Sachwalters hatte und auch nicht wusste, dass sie sich für die Dauer der Betreuung in der Wohnung des Betroffenen anmelden muss. Der Hausarzt musste dringend organisiert werden, ebenso eine Inkontinenzauflage für das Bett (sie wechselte das Laken jede Stunde und wusch diese sofort), die Anmeldung in der Wohnung war überfällig und zuguter letzt erhielt der Mann zwar breiige Kost, jedoch zu wenig und ebenso keine hochkalorische Trinknahrung.

Case Manager werden in manchen Organisationen bereits eingesetzt, jedoch wäre es dringend notwendig auch jene Personenbetreuerinnen zu schulen, supervidieren und entsprechend vorzubereiten, die nicht über eine hochwertige Vermittlung zu den Betroffenen gesandt werden.

Quellen: Care Trend, Wirtschaftskammer Österreich, Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

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