Das Projekt Clearing Plus – noch wenige Monate

Das Projekt Clearing Plus wurde vom VertretungsNetz entworfen und läuft seit März 2014. Das geplante Projektende war für Ende 2015 angesetzt.

Der Trend der letzten Jahre zeigte eine deutliche Zunahme an Sachwalterschaften in ganz Österreich. Das Justizministerium möchte diesem Trend entgegenwirken und beauftragte die Sachwaltervereine in Österreich mit der Durchführung eines Projekts, das unter dem Namen Clearing Plus läuft und Sachwalterschaft noch vor dem Entstehen verhindern soll. Das Vorgehen ist geprägt von einer Mischung aus Beratungstätigkeiten für Angehörige um etwaige Alternativen auszuschöpfen und in eine Begleitung der Unterstützungsbedürftigen um die Problemfelder zu erkennen und zu bearbeiten.

Konkret arbeiten neun Standorte des Vertretungsnetzes mit insgesamt 20 Bezirksgerichten in Österreich zusammen und versuchen Anregungen, die bei Gericht eingehen, mithilfe eines erweiterten Clearingverfahrens zu analysieren und in einem Prozess der „unterstützten Entscheidungsfindung“ dahingehend zu bearbeiten, dass eine Sachwalterschaft möglichst verhindert werden kann. Dies gelingt, nach Angaben des Vertretungsnetzes, bei etwa zwei Drittel der Betroffenen, die eine entsprechende Unterstützung erhalten und bei denen versucht wird die Ressourcen des näheren Umfeldes (Angehörige, Nachbarn, betreuende Einrichtungen) zu nutzen um eine möglichst stabile Gesamtsituation und eine höchstmögliche Selbstständigkeit wiederherzustellen. Das letzte Drittel wird dennoch im weiteren Verlauf einen Sachwalter erhalten, da entweder kein soziales Umfeld vorhanden ist, die psychische Erkrankung oder die Ablehnung der Person eine Unterstützung verhindert oder unter Umständen auch hohe rechtliche Kompetenzen erforderlich sind, die nur ein Rechtsanwalt in dem Maße zur Verfügung stellen kann.

Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Die Neubestellungen von Sachwalterschaften nehmen leicht ab, der Aufwand diese zu bearbeiten jedoch zu. Abzuwarten bleibt wie der Abschlussbericht des Vertretungsnetzes ausfällt. Details hierzu werden voraussichtlich Anfang 2016 veröffentlicht.

Quellen: VertretungsNetz, DiePresse

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